Verbreitungsfreuden; oder warum die Pandemie eben nicht eingedämmt wird.

In diesem Artikel geht es ausnahmsweise mal nicht um Sport an sich. Das Thema ist eine paradoxe Situation, die ich vor geraumer Zeit erlebt habe. Es geht um die Ausbreitung von Covid-19. Diesen Artikel habe ich ursprünglich als Gedächtnisprotokoll verfasst.

Zunächst Fakten: Am 20.8. rief mich eine mir bekannte Person an und erzählte mir von ihrem positiven Corona-Befund. Ihren Abstrich hatte sie am 17.8. beim Hausarzt machen lassen und das positive Ergebnis am darauf folgenden Tag bekommen. Die ersten Symptome kamen laut der Person am Sonntag (16.8.) auf. Am Samstag (15.8.) besuchte die Person einen Fitnesskurs im Fitnessstudio mit 20 weiteren registrierten Personen. Ich hatte ausserhalb des Studios am Morgen des 14.8. für ca. 30 Minuten Kontakt. Also wäre ich eine relevante Kontaktperson gewesen.

Nun wäre ein optimal geregeltes Vorgehen folgendes gewesen. Person wird von Gesundheitsamt direkt nach Bekanntwerden des positiven Befundes kontaktiert zur Kontaktnachverfolgung. Daraufhin werden die Kontakte bis mindestens 48h vor den ersten Symptomen nach verfolgt und informiert, damit diese weitere notwendige Schritte zur Eindämmung der Pandemie vor nehmen können. Absurderweise ist von offizieller Stelle nichts geschehen. Weder wurde ich, noch das Fitnessstudio kontaktiert. Ich stelle also fest, dass es verschiedene Szenarien der Kontaktverfolgung gibt (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Kontaktperson/Management.html). Jedoch wird bei jeder Variante deutlich, dass das Fitnessstudio und ich hätten zumindest informiert werden müssen. Wurden wir aber nicht. Aus den mir bekannten Fakten und den offiziellen Hinweisen zur Nachverfolgung habe ich, nachdem ich mich selbst einem CoronaTest unterzogen habe (20.8. Negativ). Das Studio angerufen und über den Corona Fall (Zeit, Ort) hingewiesen und gebeten die mit der infizierten Person sportlich aktiven in den Kursen herauszuschreiben, dies an die Geschäftsleitung mitzuteilen, und die Personen zu informieren (proaktiver Umgang mit Problem). Dies ist bis zum 24.8. nicht geschehen (4 Tage). Erst am Abend des 24.8. wurde eine Email an einige (aber nicht alle) Kursteilnehmer gesendet. In der auf ein geringes Ansteckungsrisiko in betreffendem Kurs am 15.8. hingewiesen wurde. Geringes Risiko… bei Einhaltung der Abstands-, Hygiene-, und Wegeregeln. Ich bezweifle aus eigener Erfahrung stark, dass dies in einem Fitnessstudio eingehalten werden kann. Egal. Das eigentliche Problem an der Sache ist folgendes…

Es sind 3 verantwortliche Stellen zu Information der Kursteilnehmer vorhanden. Doch keiner scheint die Notwendigkeit einer Information dieser bewusst zu sehen.

Infizierte Person: will sich nicht outen.

Studio: will keinen Corona-Fall, wegen Angst vor Schliessung

Gesundheitsamt: verlässt sich auf Informationspflicht des Studios; dieses wird aber erst aktiv nachdem es vom Amt benachrichtigt wird. Sagt die infizierte Person aber sie sei ganz normal ohne Kontakt ins Studio gegangen, ist es für das Amt nichts anderes wie z.B. einkaufen gehen. Und hier sind wir bei dem Paradoxon an sich angelangt: Wäre ein solcher Fall in einer Schule (in der womöglich noch Maskenpflicht gilt) aufgetreten, wäre zumindest die Klasse (hier der Kurs) in Quarantäne geschickt worden. Betrachtet man nun den Zeitraum zwischen Kurs und Information der Mitglieder (9 Tage!!!) gehe ich eher von einer Schliessung der Schule aus. Im Fitnessstudio geschieht nichts. Komisch. Der Schluss liegt nahe, dass das Amt nicht richtig verstanden hat was bei Sport im Studio in einem geschlossenen Raum mit 21 Personen geschieht… evtl sollte man sich darüber mal Gedanken machen.

Nach diesen Erfahrungen der letzten Tage blicke ich mit Sorge in die Zukunft und bezweifle die Funktionsfähigkeit des Ablaufplans zur Eindämmung der Corona-Seuche. Weder Individuen, noch stattliche Stellen, noch privatwirtschaftliche Unternehmen haben aus den letzten 6 Monaten ihre Schlüsse gezogen und können mit klaren Abläufen auf einen Corona-Fall reagieren. Vielmehr herrscht heilloses Chaos in der Informationsaufnahme, -verarbeitung und -weitergabe.

Die kürzlich erfahrenen Strategien zur Eindämmung der Pandemie sind in höchsten Maße eine Gefährdung der Allgemeinheit. Es stellt sich für mich weiterhin die Frage inwiefern eine strafrechtliche Aufarbeitung der Inkompetenz auf allen Ebenen hier notwendig wäre.

Nicht genauer beschreiben möchte ich hier mir widerfahrene Drohungen auf Anzeigen von 2 Stellen und mannigfaltiger offensichtlicher Lügen…

Bleibt Gesund!

Eigentlich wollte ich dies nicht veröffentlichen. Jedoch treibt mich das heillose Chaos, das jetzt auf die steigenden Zahlen folgt um. Wie soll eine Pandemie bekämpft werden, wenn offizielle Stellen schon bei einer damaligen Inzidenz von ca, 20/100000 mit der Kontaktnachverfolgung heillos überfordert sind, und private Unternehmen nicht zur Informationsweitergabe beitragen? Meiner Ansicht nach hat sich in diesem Fall gezeigt, wo die Schwachstellen im System liegen. V.a. in der frühzeitigen detaillierten Kontaktnachverfolgung und Isolierung der Kontaktpersonen liegt das Problem. Die von Politikern und Medien momentan verbreiteten Einschränkungen öffentlichen Lebens (keine privaten Feiern, Sperrstunde etc.) gehen meines erachtens am Problem vorbei, bzw. offenbaren die Hilfslosigkeit des Verfolgungssystems. Weder die Corona-App, noch das Gesundheitsamt funktionieren hier. Ich habe mir um zur Information der Mitglieder beizutragen die Finger wund telefoniert und geemailt im Versuch jemanden im Gesundheitsamt (laut eigener Aussage nicht zuständig, obwohl vom RKI als Kompetenzzentrum angegeben!!!), oder in der Corona-Hotline zu erreichen, der sich des aufgetretenen Problemes annehmen könnte. Nach drei Tagen habe ich dies erfolglos aufgegeben.

Wieso gibt es keine TaskForce Kontaktnachverfolgung? Etwa ein bundesweites Callcenter, das den Gesundheitsämtern übergeordnet ist?

Die heutige Inzidenz in FFM liegt bei 65,4 (12.10). In Offenbach bei 77,5. Rein rechnerisch müssten wir nächste Woche dann bei einem momentanen R-Wert von 1,4 bei über 100 sein. In Offenbach ist nun die Bundeswehr zur Hilfe bei der Kontaktnachverfolgung einbestellt. Warum erst jetzt? Wird es sofort funktionieren? Ich erwarte weitere Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens. Die Wirtschaft geht kaputt. Fitnessstudios werden schliessen. Und warum? Weil die Kontaktnachverfolgung nicht konsequent mit höchster Dringlichkeit an erster Stelle steht. Sie wird eher stiefmütterlich behandelt. Das ist das größte Problem. Dafür können Bars, Restaurants, Automobilhersteller, Studios, Künstler, Musiker, etc. rein gar nichts.

Update 21.10.2020: Die 7-Tage Inzidenz liegt in Frankfurt wie erwartet bei 122. Erstaunlicherweise hat die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek (Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie am Uniklinikum Frankfurt) in einem Podcast auch die Kontaktnachverfolgung als einen der beiden wichtigsten Pfeiler erkannt. Der zweite ist natürlich unser Verhalten. Wo bleibt die Task-Force?

Mein nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag Nummer 1 lautet: Kauft McKinsey-Berater! Die arbeiten sowieso gerne projektorientiert 24 Std am Tag. Die Kosten für diese sind bei erfolgreicher Nachverfolgung nur ein Bruchteil dessen was schon durch die Unfähigkeit der Politik und Ämter bisher enstanden sind und weiter entstehen wird.

Mein Vorschlag 2 lautet: Kameraüberwachung und KI überall! China machts vor! Der einzige Grund warum China seine Corona-Pandemie mittlerweile im Griff hat ist eine mittlerweile nahezu perfekte Nachverfolgung einer Infizierten Person. Da die Gesichter sowieso alle gescannt werden weiß die KI jederzeit wer wo wann was mit wem macht. Da braucht es keine Corona Warn App. Überwachung hilft! KI hilft! Friss oder Stirb?

Eine erfolgreiche Behandlung dieser Krise wird nur durch Innovation gelingen. Innovation bedeutet auch den Gesundheitssektor und Zuständigkeiten in diesem neu zu denken. Ansonsten ist bald überall nur noch Seuche, Lockdown und Insolvenz.

Meine Voraussage für Frankfurt am 1.11.2020: Eine Inzidenz von 203. Der Lockdown wird kommen. Schuld ist die Kontaktnachverfolgung.

Update 22.12.2020: Der Lockdown ist nun schon einige Tage da. Wir erreichten in Frankfurt getreu meiner Voraussage zum 1.11. eine Inzidenz von mehr als 200 (Zwischenzeitlich hatten wir kanpp 300). Heute wurde deutschlandweit eine Inzidenz von über 200 errechnet. Nach hessischen Regeln würde dies also eine Ausgangssperre für das ganze Land bedeuten. Gott sei Dank gibt es dann doch den Föderalismus. Da gibt es doch noch kleine Inseln in denen man einen Nachtspaziergang machen darf…

Das erklärte Ziel ist: Inzidenz unter 50, dann Lockerungen. Leider wird das bis April sicherlich nichts. Und selbst wenn Lockerungen kommen wird es schnell wieder steigen. Warum? Wir wissen es… Es kann nur besser werden wenn bei Fällen schnell reagiert werden kann. Dafür braucht es entweder mündige Bürger und einen wachen Staat, oder eben die totale technologische Überwachung mit Offenlegung aller relevanter persönlicher Mobilitäts- und Krankendaten. Ich persönlich glaube nicht an mündige Bürger. Ich glaube an Egoisten. Ein wacher Staat? Schnell? Eher nein. Technologische Überwachung? Nichts leichter als das. China machts vor. Zumindest in dieser Pandemie sollte man eine kleine Überwachungsdebatte starten… wenns hilft???…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.